Ideen entwickeln

Autorenratgeber: Ideen entwickeln

Mein Großvater schrieb mit Feder, mein Vater hämmerte auf eine alte Olympia-Schreibmaschine ein, bei meiner Freundin stapeln sich Moleskines auf dem Schreibtisch – und ich sitze vor einem unpersönlichen Aluminium-Laptop: wie unromantisch. Möchte ich deshalb tauschen? Eher nicht! Der Grund sind die vielen digitalen Helferlein, die einem das Entwickeln von Ideen, die Recherche und das Schreiben an sich erheblich erleichtern.

Teil 1: Ideen entwickeln und skizzieren

Als Autor und Autorin haben wir zuweilen nur ein vages Bild von der Geschichte, die wir erzählen wollen. Wir wissen anfangs nicht, wie wir unsere Ideen ordnen und miteinander verknüpfen sollen. Genau hier hilft Tinderbox. Im Prinzip dient das Programm als intelligenter Zettelkasten: Wir stopfen all unsere Gedanken unsortiert in »Boxen« (klingt vertraut), und dann helfen fleißige »Agenten«, Ordnung in unser kreatives Chaos zu bringen.

Das Ganze funktioniert recht simpel: Wollen wir z. B. für unsere Romanheldin eine Box anlegen, klicken wir einfach auf die leere Leinwand. Es öffnet sich eine Notiz und wir schreiben alles, was uns einfällt in diese Box. Jetzt können wir eine Linie zur Box »Ehemann« zeichnen – und anschließend noch zum potentiellen Liebhaber. Rasch entstehen übersichtliche Darstellungen der Figur-Figur-Beziehungen.

Dabei können die Boxen beliebig verschoben, gestapelt und verschachtelt werden. Dank erwähnter »Agenten«, die unermüdlich unsere Kisten nach festlegbaren Eigenschaften (Figur, Ort, Zeit, etc.) sortieren, können ohne großen Aufwand unterschiedlichste Szenarien anzeigt werden. Zum Beispiel wann sich unsere Heldin, ihr Gatte und der Liebhaber im gleichen Raum aufhalten. Öffnen wir eine Box, stehen sämtliche Informationen zur Verfügung sowie mögliche weitere Boxen oder Verknüpfungen.

Auf diese Weise wachsen komplexe Ansichten unserer Geschichte, die in jede denkbare Richtung angepasst und entwickelt werden können. Der Haken: Das Programm bedarf einer gewissen Einarbeitungszeit.

Wer eher visuell arbeitet, sollte sich Curio anschauen. Ähnlich wie Tinderbox beginnt die Ideenfindung auf einem leeren Blatt Papier, kunstvoll Ideenraum genannt.

Auf dieses Papier klebe ich geometrische Formen, Textblöcke, Dokumente, Bilder oder Videos, wobei alles nach Gutdünken verschoben und geordnet werden kann. Zusammen mit einer Notizfunktion, To-Do-Listen, Collagen und einer rudimentären Zeichenfunktion erhält man ein sinnvolles Werkzeug, um Ideen zu sammeln, ordnen und darzustellen. An die Komplexität von Tinderbox reicht Curio zwar nicht heran, dafür ist es leichter zu erlernen.

Der Einstieg ins Mindmapping geht am einfachsten mit XMind. Ausgangspunkt jeder Ideenfindung ist hier ein sogenannter »Knoten« (z. B. ein Begriff, der Ausgangsort, etc.), an den sich weitere Knoten ketten. Derart hangelt man sich von Idee zu Idee, wobei jeder Gedankensprung einem Knoten entspricht. Selbstverständlich lassen sich sämtliche Knoten (unter)gliedern, gruppieren, mit Bildern, Dokumenten und Medien verknüpfen oder mit Notizen ergänzen. Das alles funktioniert dank des klaren Programmaufbaus intuitiv. Preis der Übersichtlichkeit ist allerdings der vergleichsweise geringe Funktionsumfang. Als »Persönlicher Notizassistent« alias Tinderbox oder Curio reicht XMind nicht. Beschränkt man sich jedoch auf Ideenskizzen, ist XMind eine prima Hilfe.

Vorgestellte Programme:
Tinderbox, www.eastgate.com (Mac)
Curio, www.zengobi.com (Mac)
XMind 3, www.xmind.net (Mac, PC, Linux)

Alternativen:
MindManager, www.mindjet.com (Mac, PC)
NovaMind, www.novamind.com (Mac, PC)
Omni Outliner, www.omnigroup.com (Mac, PC)

Dieser Artikel erschien zuerst in der Autorenzeitung “Federwelt”. Weitere Fachartikel sind erhältlich unter:

Federwelt – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren
im Uschtrin Verlag
Einzelheft: 6,50 Euro (zzgl. Versand)
Abonnement (6 Hefte): 33,00 Euro (inkl. Versand)
www.uschtrin.de

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