Das Google Panda Update – in Deutschland

Es ist also soweit: Google hat im Marz 2011 das große, längst überfällige und zuweilen befüchtete Google Panda Update gelauncht. Ziel soll es sein, die Qualität der SERPs auf Basis der Qualität der Webinhalte zu optimieren. Kurz: Statt hundert Foren mit ausufernden Diskussionen, sollen uns künftig hochwertige Suchergebnisse beglücken.

Gestartet ist das Panda-Udpate in Amerika – und nach ersten Schätzungen beeinflusst das Update bereits  10-15 % der Suchergebnisse. Im April wurde mit der weltweiten Einführung des Panda Updates begonnen – gleichwohl „weltweit“ zunächst nur die englischsprachigen Länder betraf. Und nun folgt also die Reformation des deutsche Googles. Und während wir hier gespannt auf die Umsetzung warten, kehrt in den USA und England bereits wieder Ruhe ein. Klar: Ein Fazit wäre noch verfrüht. Aber sicher ist es an der Zeit, die eine oder andere Überlegung zu diesem Thema anzustellen – vor allem, was den eigenen Blog betrifft und wie sich das Update auf die eigenen Seiten auswirken könnte.

 

Caffeine: fangen wir weiter vorne an

Unter dem Stichwort Caffeine hat Google 2010 eine grundlegende Überarbeitung der Such-Infrastruktur durchgeführt. Nach eigenen Angaben wollte Google damit neue Seiten und Rankingsignale schneller in den Index aufnehmen. Soweit so gut. Das Update hatte auch gut funktioniert. Nur ist dadurch die Größe des Google-Index rasant gewachsen. Fand zuvor eine „unfreiwillige technische Zensur“ durch Google statt – da Google ja nur eine begrenzte Anzahl an URLs von Domains indexieren konnte, viel dieser Filter nun durch das Caffeine Update weg. Das ist natürlich zu begrüßen. Andererseits gelangte dadurch jede Menge „Schrott“ in den Index – was die Qualität der Suchergebnisse drastisch verschlechterte. Die logische Konsequenz war die „bewusste Filterung“ des Index. Dieses Mal nicht technisch bedingt, sondern nach dem Kriterium „qualitativ hochwertigen Inhalts“. Und genau dies soll das Panda-Update leisten.

„We encourage you to keep questions like the ones above in mind as you focus on developing high-quality content rather than trying to optimize for any particular Google algorithm.

 

Wie genau funktioniert das Panda Update?

Okay, das ist wieder ein Google-Geheimnis. Aber die Karten im Spiel sind recht offensichtlich: Google könnte den Anteil der Brand-Suchen heranziehen, Google könnte die Qualität von Texten bewerten oder einfach eine Reduzierung von indexierten Seiten vornehmen. Vermutlich liegt die Wahrheit wie immer in der Mitte.

Ein wenig Licht ins Dunkel könnte ein Blick auf die Seiten qype.co.uk und yelp.co.uk bringen: beide Seiten sind vom Content und Geschäftsmodell vergleichbar, aber nur Qype wurde abgestraft. Auffällig ist, dass wesentliche Unterschiede vor allem in den Faktoren Verweildauer, PageView pro Nutzer und Bounce-Rate liegen. Da Qype hier durchgehend schlechte Werte hat, könnte dies ein Mitgrund für die Abstufung sein. Dies scheint auch logisch, da Google so denkt, dass die Besucher weniger an den Inhalten interessiert sind.

Amit Shagal, Leiter des Ranking-Teams von Google, hat auf googlewebmastercentral.com die von seinem Kollegen entwickelten Fragen veröffentlicht, die zur Beurteilung einer guten Website herangezogen werden:

  1. Würdest Du den Informationen in diesem Artikel vertrauen?
  2. Wurde dieser Artikel von einem Experten geschrieben, der sich wirklich mit dem Thema auskennt?
  3. Gibt es auf der Webseite Artikel mit gleichem oder ähnlichem Inhalt, welche lediglich auf etwas andere Keywords optimiert sind?
  4. Würdest Du dieser Webseite Deine Kreditkarteninformationen anvertrauen?
  5. Weist dieser Artikel stilistische, grammatikale oder Fehler in der Rechtschreibung auf?
  6. Richten sich die Artikel dieser Webseite nach den Interessen der Leser oder dienen sie offenkundig nur dazu, in Suchmaschinen gefunden zu werden?
  7. Beinhaltet dieser Artikel neue Informationen oder eine einzigartige Betrachtungsweise des Themas?
  8. Verfügt diese Webseite im Vergleich zu ähnlichen Seiten über einen wirklichen Mehrwert?
  9. Findet eine regelmäßige Kontrolle des Inhalts dieser Webseite statt?
  10. Beschreibt dieser Artikel unterschiedliche Sichtweisen des Themas?
  11. Ist diese Webseite in ihrem Bereich eine anerkannte Autorität?
  12. Wurde die Erstellung des Contents dieser Seite in Auftrag gegeben oder werden die Inhalte auch auf anderen Seiten des Betreibers publiziert?
  13. Wurde dieser Artikel professionell geschrieben oder eher auf die Schnelle veröffentlicht?
  14. Würdest Du Deine Gesundheit betreffende Informationen dieser Webseite vertrauen?
  15. Würde Dir diese Webseite wieder einfallen wenn lediglich der Name genannt wird?
  16. Behandelt dieser Artikel alle erforderlichen Sichtweisen der Thematik?
  17. Beinhaltet dieser Artikel weiterführende Gedanken oder tiefgreifende Analysen?
  18. Ist dieses eine Webseite, die Du bookmarken oder Deinen Freunden weiterempfehlen würdest?
  19. Beinhaltet dieser Artikel so viel Werbung, dass diese vom Lesen des Artikels ablenkt?
  20. Könntest Du Dir vorstellen, dass dieser Artikel auch in einem Magazin oder Buch veröffentlicht wird?
  21. Sind die Artikel dieser Webseite zu kurz, zu oberflächlich oder einfach nicht hilfreich?
  22. Ist diese Webseite mit großer Sorgfalt bzw. Liebe zum Detail gestaltet?
  23. Hätten die Besucher dieser Webseite etwas zu beanstanden wenn sie die Seite das erste Mal sehen?

Also gut. Das soll es sein? Nö, ich denke nicht. Aber der Katalog gibt einen Einblick in die Dinge, die Google für wichtig erachtet. Es schadet also nicht, die oben genannte Punkte einmal ernsthaft durchzugehen und zu prüfen, ob die eigene Website den neuen Standards gerecht wird.

 

Bessere Suchergebnisse durch Google Panda Update?

Es stellt sich die Frage, ob – durch welches Verfahren auch immer – unterm Strich wirklich bessere Suchergebnisse geliefert werden. Google sagt: klar. So wurde vor Einführung des Updates der Algorithmus mit dem „menschlichen“ Befinden verglichen. Dazu konnten User von Google Chrome unerwünschte Ergebnisse blockieren. Die Ergebnisse wurden dann mit der „errechneten“ Bewertung verglichen. Und siehe da: 84% der Wertungen stimmten überein. Soll heißen: Google kann recht gut abschätzen, was (zumindest Google Chrome User) über ihre Suche finden wollen, und was nicht. (Schade, dass ich nicht zu den Chromenutzern gehöre. Naja. Egal.) Grundsätzlich bin ich ja ein Befürworter der Optimierung von Suchergebnissen. Andererseits stehe ich der „Macht Google“ skeptisch gegenüber. Platt gesagt: Will man einem Computer die Macht überlassen Inahlte für gut oder schlecht zu befinden? Eine durchaus gruselige Vorstellung. Und wie “einfach” lassen sich die Suchergebnisse manipulieren?

 

Plus One Button

In diesem Zusammenhang fällt mir auch der neue „Plus One Button“ ein. Hier kann ich eine Seite mit einem “+1″ upvoten – aber auch unerwünschte Ergebnisse blockieren, sprich mit einem “-1″ markieren. Ist es nun gut, dass der Faktor „Mensch“ an Einfluss gewinnt und so mitbestimmt, was gut oder schlecht ist? Eigentlcih schon, aber wie leicht lassen sich auch diese Ergebnisse manipulieren? Und wie leicht kann eine Seite mit gutem Inhalte aber schlechterer Aufmachung durch Google schlicht blockiert werden? Und was ist, wenn eine Personengruppe xy Websiten mit anderen Meinungen abstuft? Mmh. Ein weites Feld.

Ein wenig beruhigend ist, dass laut Googles „Rolls Out Its Panda Update Internationally And Begins Incorporating Searcher Blocking Data“ die Feedback Signale der Buttons zwar in die Wertungen der Webseiten einfließt, aber für die Blockierung einer Seite nur als sekundärer Faktor Einfluss nimmt. In erster Linie kommt es also auf eine „gute Website“ an. Und was „gut ist“ entscheidet Google.

 

Fazit

Natürlich wird es spannend werden, wie sich das Update auf den deutschen Markt auswirkt. Wie wird sich Googles Verhalten bezüglich gespinntem Content ändern? Und wie wird die Affiliate Szene und Blognetzwerke auf das Update reagieren?

Grundsätzlich hoffe ich, dass die Erstellung von „Inhalten“ besser gelistet wird als Keyword-Texte für Suchmaschinen. Gut finde ich auch, dass Seiten mit Mehrwert besser eingestuft werden. Problematisch finde ich, dass zum Beispiel die Fragenliste eigentlich eher zu Contentseiten passt – und diese am besten redaktionell erstellt. Aber wo bleiben in dieser Rechnung die Hobby-Blogger, die nicht professionell ihre Texte erstellen? Da könnte man frech sagen: Pech gehabt. Lernt schreiben, werdet Profi auf eurem Gebiet, dann werdet ihr auch in Google gefunden. Aber ist das sinnvoll? Muss jeder ein Fachmann sein – und als socher schreiben – um gute Blogs zu führen? Wohl kaum. Auf der anderen Seite sollte man auch jemanden zumuten können, mehr als 30 sinnvolle Wörter schreiben zu können, wenn er einen Beitrag veröffentlicht, der „gefunden werden soll“. Aber wo bleiben die ebenfalls wichtigen Verzeichnisse, Reviewplattformen und Preisvergleiche?

Kurz: Die Zukunft wird zeigen, was Panda taugt. Ich hoffe, dass dieser Blog auch künftig gefunden wird und ich würde mich freuen, wenn ihr mit jetzt ein „Bienchen“ gebt, damit dies auch so bleibt :-)

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